Die Gicht: Symptome und Behandlung

Auch die Gicht gehört zu den ernährungsbedingten Krankheiten. Sie war früher häufig, vor allem bei den Wohlhabenden. Sie hieß Podagra oder Zipperlein. Vorübergehend war sie viel seltener geworden, so daß vor einigen Jahrzehnten an der Universität gelehrt wurde, die Gicht sei so selten, daß sie keine Rolle mehr spiele.

Dies hat sich im heutigen Wohlstandsstaat, in dem nun alle leben wie einst „die reichen Leute", völlig gewandelt. Die Gicht ist wieder eine häufige Krankheit geworden.

Gicht Symptome: Erhöhung der Harnsäure im Blut

Die Gicht ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Harnsäuregehalt im Blut. Mit Sicherheit kann man die Diagnose „Gicht" daher nur stellen, wenn der Harnsäuregehalt bestimmt wurde. Vor Jahrzehnten wurden die Harnsäurewerte im Blut beim Gesunden mit 2-4 mg% angegeben. Was darüber lag, wurde als krankhaft erhöht angesehen.

Aber allmählich hat sich der Harnsäurespiegel bei „Gesunden" so erhöht, daß man heute bis zu 6 mg% noch als im Bereich der Norm liegend wertet. Und neueste Empfehlungen sprechen davon, daß man selbst Werte bis zu 8 mg% noch als „erlaubt" gelten lassen könne. Hier liegt sicher die häufige Verwechslung von „normal" und „üblich" vor. Es ist, um ein Beispiel zu nennen, zwar üblich, daß schon 10jährige zahlreiche kariöse Zähne haben, aber normal ist es nicht.
Daß die Harnsäurewerte gegenüber früher stark gestiegen sind, ist auf den höheren Anteil tierischer Nahrungsmittel in der heutigen Zivilisationskost zurückzuführen. Heute gibt es eine Einstufung in „arm" und „reich", wie sie bis vor wenigen Jahrzehnten möglich war, nicht mehr; die Ernährungsweise ist in allen Bevölkerungsschichten der zivilisierten Staaten ungefähr gleich. Vor hundert Jahren hatten die begüterten Kreise jedoch im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ein Privileg für reichlichen Fleischgenuß und üppiges Essen. Demzufolge waren nur diese Kreise mit der Gicht gesegnet.

Fleischgenuß nicht die einzige Ursache der Gicht

Die krankhafte Erhöhung der Harnsäure ist Zeichen einer Störung im Eiweißstoffwechsel. Dabei spielt zweifellos der vermehrte Verzehr von tierischen Produkten, wodurch es zu einer Erhöhung des Eiweißanteils in der Nahrung kommt, eine wichtige Rolle.

Die Harnsäure ist ein Endprodukt des Eiweißstoffwechsels, insbesondere des Purinabbaus. Die Purine wiederum sind Bestandteile von Nucleinsäure-Verbindungen. Wie der Name sagt (nucleus = Kern), kommen die Nucleotide vorwiegend in den Zellkernen vor. Der Verzehr von inneren Organen, die besonders zellreich sind (zum Beispiel von Leber), führt daher zur Erhöhung der Harnsäure im Blut und Urin und ist somit für Gichtkranke besonders nachteilig.
Zweifellos spielen aber bei der Entstehung der Gicht außer dem Fleischgenuß noch andere Faktoren eine Rolle. So ist bekannt, daß ein Mangel an B-Vitaminen Störungen im Eiweißstoffwechsel in Form einer vermehrten Harnsäurebildung hervorruft. Außerdem macht sich der Vitalstoffmangel der Zivilisationskost in gleichem Maße im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel bemerkbar. Damit erklärt es sich, daß das Ansteigen der Gichthäufigkeit mit der Zunahme der anderen ernährungsbedingten Krankheiten Schritt hält.

Die Harnsäureerhöhung im Blut kann zu Ablagerungen von Harnsäure im Gewebe führen. Dabei kann es zur plötzlichen Ausfällung von Harnsäurekristallen in Gelenknähe kommen. Dies bewirkt dann einen sogenannten Gichtanfall. Am häufigsten ist dabei das Großzehen-Grundgelenk betroffen. Aber auch jedes andere Gelenk kann befallen werden. Der äußere Rand der Ohrmuschel ist eine Lieblingsstelle, an der sich Harnsäure in Knoten ablagert.

Die Gicht braucht sich aber keineswegs nur in Anfällen zu äußern und auch nicht nur in Ablagerungen von Harnsäure im Bewegungsapparat. Die Harnsäurevermehrung kann sich zum Beispiel als Migräne oder Hautausschlag äußern. Nicht selten ist sie auch mit arthritischen oder arthrotischen Veränderungen kombiniert.

Von Laien werden die starken Formveränderungen an den Händen (Verdickungen der Fingergelenke und seitliche Abweichungen der Finger), wie sie für fortgeschrittene Stadien der primär chronischen Polyarthritis charakteristisch sind, oft als Gicht bezeichnet. Bei der Gicht kommt es aber nicht zu solchen Formveränderungen.

Die Gicht Behandlung

Die Behandlung darf sich nicht darauf beschränken, daß Fleisch und insbesondere Innereien gemieden werden. Noch wichtiger ist es, den Gesamtstoffwechsel durch die Vermeidung stark denaturierter Nahrungsmittel und den Verzehr vollwertiger Lebensmittel günstig zu beeinflussen, wie es bei der Arthrosenbehandlung ist.

Koffein in Kaffee und schwarzem Tee sind Purinkörper, deren Abbauendprodukt ebenfalls Harnsäure ist. Eine strenge Enthaltung von Kaffee und Schwarztee ist daher für den Gichtkranken notwendig.

Bemerkenswert ist die Beobachtung, daß es bei Gichtikern unter der Behandlung mit reiner Frischkost zu einer starken Mobilisierung der im Gewebe abgelagerten Harnsäure kommt, was sich in einer vorübergehenden Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut und nach etwa 14 Tagen in einem Gichtanfall äußern kann. Um dies zu verhindern, ist beim Übergang auf reine Frischkost vorübergehend die Verabreichung von Medikamenten angezeigt, die eine vermehrte Harnsäureausscheidung im Urin bewirken.

Im übrigen entspricht die Behandlung gichtischer Gelenkerkrankungen genau derjenigen der Arthrosen und Arthritiden.

Es gibt spezifische Medikamente, die die Harnsäureausscheidung über die Nieren anregen. Sie sind zwar eine hervorragende vorübergehende Unterstützung der Gichtbehandlung, vermögen aber die zugrundeliegende Stoffwechselstörung nicht zu bessern. Dies ist auf Dauer nur durch die Ernährungsbehandlung zu erreichen.

In dieser Hinsicht kann man die Gicht (Eiweißstoffwechselstörung) mit der Zuckerkrankheit (Kohlenhydratstoffwechselstörung) vergleichen.

So wie der Zuckerkranke sich ständig an seine Ernährungsvorschriften halten muß und dabei voll leistungsfähig sein und sich wie ein Gesunder fühlen kann, ohne daß es zu einer „Heilung" der Zuckerkrankheit kommt, so muß auch der Gichtkranke ständig die Ernährungsvorschriften befolgen. Dabei kann er ebenfalls völlig leistungsfähig sein und sich gesund fühlen, ohne daß die Grundkrankheit geheilt wird. Sowohl der Zuckerkranke wie der Gichtkranke merken es an ihrem Befinden, sobald sie mit der richtigen Ernährung aufhören.


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