Die Behandlung der primär chronischen Polyarthritis

Was nun die Behandlung der primär chronischen Gelenkentzündung im Einzelnen betrifft, so ergab sich schon aus dem Bisherigen, dass es dafür kein für alle Kranken gültiges Schema gibt. Aber für alle Kranken gemeinsam besteht die Notwendigkeit, sich ständig einer intensiven Behandlung zu unterziehen, ohne dadurch die Aussicht auf Heilung zu haben. Es ist auf diese Weise aber mit Sicherheit möglich, den Kranken vor dem Rollstuhl zu bewahren.

Vollwertkost als Basisbehandlung

Die Basis der Behandlung ist auch hier die vollwertige Heilkost, wie sie bei der Arthrosis beschrieben ist.
Zusätzlich sind für manche Kranke noch spezielle Ernährungsmaßnahmen notwendig, die jeweils nach der Besonderheit des Falles und dem Krankheitsverlauf zu gestalten sind.

Vermeidung von tierischem Eiweiß steigert den Erfolg

In vielen Fällen wird eine deutliche Besserung erst dann erreicht, wenn der Kranke jedes tierische Eiweiß streng meidet; hierunter fallen auch die Milch, alle eiweißhaltigen Milchprodukte wie Quark und Käse (die Butter also nicht), Eier, Fleisch, Wurst und Fisch. Bei anderen Kranken bleibt das strenge Vermeiden von tierischen Produkten auch über lange Zeit ohne sichtbaren Einfluss auf den Verlauf. Da aber die strenge Enthaltung von tierischem Eiweiß oft Erfolge bringt, die bei erneutem Genuss von tierischen Produkten sofort wieder zurückgehen, ist dieser Versuch in jedem Fall dringend zu empfehlen.

Trotzdem ist die Ursache der rheumatischen Erkrankungen bestimmt nicht auf die einfache Formel zu bringen, die oft von vegetarischer Seite zu hören ist, allein der Fleischgenuss sei daran schuld. Die kritische Beobachtung zeigt nämlich, dass unter den Arthritis- und Arthrosekranken die ausgesprochenen Fleischesser nicht häufiger anzutreffen sind als Menschen, die wenig Fleisch essen. So erkranken zum Beispiel Metzger, die üblicherweise relativ viel Fleisch und Wurst essen, seltener an rheumatischen Erkrankungen als Bäcker. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der Fleischgenuss vor Rheuma schütze und deshalb zu empfehlen sei. Diese Beobachtung lässt sich einfacher damit erklären, dass Metzger, die einen großen Anteil ihrer Ernährung mit Tierprodukten decken, dadurch automatisch weniger raffinierte Kohlenhydrate, d.h. Fabrikzucker und Auszugsmehle, verzehren. Unter Metzgern findet man durchschnittlich weniger Kuchen- und Süßigkeitenesser als zum Beispiel unter den Bäckern; dafür machen sich Bäcker meist wenig aus Fleisch. Es ist aber leicht nachzuweisen, dass die Menschen, die zum Genuss von raffinierten Kohlenhydraten neigen, ein größeres Kontingent an Rheuma- und Zahnkranken stellen als ausgesprochene Fleischesser.

Dies steht nicht im Widerspruch zur Feststellung, dass der Verzehr von tierischem Eiweiß bei Menschen, die durch die denaturierte Zivilisationskost geschädigt sind, zusätzliche Nachteile mit sich bringt. Bei den Erkrankungen der Bewegungsorgane kommt dies deutlich zum Ausdruck.

Um die Akzente richtig zu setzen: Entscheidend für die Verhütung und Behandlung der Erkrankungen des Bewegungsapparates ist die Vermeidung bzw. weitgehende Einschränkung der durch Erhitzung, Konservierung und Präparierung veränderten Nahrungsmittel und stattdessen der reichliche Verzehr von naturbelassenen Lebensmitteln. Das Vermeiden tierischer Nahrungsmittel ist ebenfalls notwendig und vorteilhaft, wenn die nachstehenden Voraussetzungen erfüllt werden.

Durch den hohen Frischkostanteil wird zugleich der Kochsalzgehalt der Nahrung gesenkt, was ebenfalls zu empfehlen ist. Dies bewirkt unter anderem ein deutliches Abschwellen des Gewebes um die Gelenke.

Die souveräne Kostform mit meistversprechender Erfolgsaussicht ist bei dieser Erkrankung die während langer Zeit durchgeführte strenge Frischkost. Diese reine Frischkost besteht nur aus rohen Blatt- und Wurzelgemüsen, die mit naturbelassenen Ölen, Zitrone oder Obstessig und Gewürzen zubereitet werden. Auch das Getreide wird nur in roher Form als Frischkornbrei verwendet; Brot gehört nicht dazu. Am besten ist es, grundsätzlich die Behandlung mit der Frischkost zu beginnen und je nach Verlauf allmählich die strenge Form aufzulockern. Die für die vollwertige Heilkost geltenden Richtlinien sind aber immer streng einzuhalten.

Die strenge Form wird am besten unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Dann gelingt es auch am ehesten, die Dosierung der Nebennierenrindenhormone abzubauen.

Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen

Je schwerer eine Krankheit zu beeinflussen ist, umso mehr Behandlungsmethoden werden angegeben; oder umgekehrt, je mehr Behandlungsmethoden es für eine Krankheit gibt, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie schwer heilbar ist. Denn wenn eine sicher hilfreiche Methode vorhanden ist, wird sie sich herumsprechen. Dies gilt auch für die primär chronische Gelenkentzündung. Die vielen Behandlungsmethoden können hier nicht alle aufgezählt werden, da die meisten in die Hand des Arztes gehören. Einige sollen nachstehend beschrieben werden.

1. Medikamente

Schon allein die Zahl der empfohlenen Medikamente ist beträchtlich; entzündungshemmende, schmerzstillende, den allergischen Prozess hemmende, das Bindegewebe aktivierende, die Widerstandskraft steigernde und allgemein umstimmende Mittel stehen in reichlichem Maße zur Verfügung. Alle haben ihren besonderen Anzeigenbereich, denn nicht jedes Mittel ist in jedem Falle geeignet.

Besondere Erwähnung verdienen auch hier die individuell nach der Ähnlichkeitsregel auszuwählenden und deshalb große Erfahrung erfordernden homöopathischen Arzneimittel.

Nebennierenrindenhormone (Cortisone) bringen keine Heilung, nur Linderung

Das beste Linderungsmittel ist ein Hormon aus der Nebennierenrinde, das zu Beginn der Erkrankung, wenn noch keine Versteifungen vorhanden sind, eine so wunderbare Wirkung hat, dass bei ausreichender Dosierung sämtliche Beschwerden fast über Nacht verschwunden sind und der Kranke sich für geheilt hält. Wird das Medikament wieder weggelassen - es darf nur langsam, nicht schlagartig abgesetzt werden -, so zeigt sich jedoch, dass die Krankheit noch unverändert, wenn nicht verschlimmert ist. Die anfängliche Begeisterung über dieses „Wundermittel" hat sich deshalb schnell gelegt und einer Enttäuschung Platz gemacht.

Trotzdem sind diese Mittel beim Kupieren von Schüben eine große Hilfe für den Augenblick. Da sie aber keine Heilmittel sind und bei langem Einnehmen auch unangenehme Nebenerscheinungen hervorrufen und durch die künstliche Zufuhr der Hormone die eigene Hormonproduktion der Nebennierenrinde gebremst wird, muss es das Bestreben sein, eine Langzeitbehandlung mit diesem Hormon zu vermeiden und im Notfall die Menge so gering wie möglich zu halten.

Die Entziehung der Hormone ist bei Kranken, die seit langem daran gewöhnt sind, eine schwierige Aufgabe, die große Erfahrung erfordert. Da bei verminderter Dosierung vermehrte Schmerzen und zunehmende Steifigkeit auftreten, sind in der Übergangszeit andere Maßnahmen erforderlich, weshalb zur Entziehung meist klinische Behandlung nötig ist.

2. Kneippsche Anwendungen

Entgegen der üblichen Meinung ist bei allen entzündlichen (und den meisten nicht entzündlichen) rheumatischen Erkrankungen das kalte Wasser viel hilfreicher als das warme Bad. Natürlich wird nach dem Kneippschen Prinzip, das den biologischen Gesetzen entspricht, der kurze Kaltreiz nur benützt, um den Körper zur vermehrten Wärmebildung anzuregen, was mit besserer Durchblutung gleichbedeutend ist. Die Kaltmaßnahme soll dem Körper keine Wärme entziehen, sondern bezweckt das Gegenteil, die Bildung von vermehrter Eigenwärme. Deshalb darf sie logischerweise nur sehr kurz sein - so kurz, dass sie keine Wärme zu entziehen vermag, und doch so lange, dass sie eine Wärmereaktion auslöst. Sie darf nur auf warmem Körper erfolgen, da für die Reaktion die Ausgangslage entscheidend ist.

Man kann die kurze Kaltanwendung als aktive Wärmebehandlung bezeichnen, während ein warmes Bad eine passive Wärmebehandlung darstellt: Der Körper selbst trägt nichts dazu bei, dass sich Wärme bildet; sie wird ihm passiv zugeführt.

Die einfachste Anwendung ist die kalte Ganzwaschung, die täglich durchgeführt werden sollte. Sie wird am besten morgens nach dem Erwachen, wenn der Körper gut warm ist, vom Bett aus durchgeführt. Die Waschung erfolgt rasch mit sehr kaltem Wasser von unten nach oben. Hals und Gesicht werden nicht mitgewaschen. Hände und Füße werden abgetrocknet; der übrige Körper bleibt feucht. Danach verweilt der Patient noch etwa 5-10 Minuten im warmen Bett, bis er wieder trocken ist und als Reaktion eine wohlige Wärme verspürt.

Für jede rheumatische Erkrankung kommen Wechselunterschenkelbäder in Frage. Sie fördern die Durchblutung, was in jedem Fall von Nutzen ist. Hierfür werden Unterschenkelbadewannen benötigt. Darin werden die Unterschenkel bis unter das Knie in 39-41 °C heißem Wasser 10 Minuten angewärmt, danach in der zweiten Wanne 10 Sekunden in ganz kaltes Wasser getaucht; darauf nochmals heiß und nochmals kalt.

Als nächstintensive Maßnahme kommt der optimal durchblutungsfördernde Kneippsche Guß als Knie-, Schenkel- oder Armguss in Betracht. Er ist die wichtigste Kneippsche Maßnahme bei rheumatischen Erkrankungen.

Der Guss wird mit naturkaltem Wasser ausgeführt. Am besten verwendet man dazu einen sollte. Sie wird am besten morgens nach dem Erwachen, wenn der Körper gut warm ist, vom Bett aus durchgeführt. Die Waschung erfolgt rasch mit sehr kaltem Wasser von unten nach oben. Hals und Gesicht werden nicht mitgewaschen. Hände und Füße werden abgetrocknet; der übrige Körper bleibt feucht. Danach verweilt der Patient noch etwa 5-10 Minuten im warmen Bett, bis er wieder trocken ist und als Reaktion eine wohlige Wärme verspürt.

Für jede rheumatische Erkrankung kommen Wechselunterschenkelbäder in Frage. Sie fördern die Durchblutung, was in jedem Fall von Nutzen ist. Hierfür werden Unterschenkelbadewannen benötigt. Darin werden die Unterschenkel bis unter das Knie in 39-41 °C heißem Wasser 10 Minuten angewärmt, danach in der zweiten Wanne 10 Sekunden in ganz kaltes Wasser getaucht; darauf nochmals heiß und nochmals kalt.
Als nächstintensive Maßnahme kommt der optimal durchblutungsfördernde Kneippsche Guss als Knie-, Schenkel- oder Armguss in Betracht. Er ist die wichtigste Kneippsche Maßnahme bei rheumatischen Erkrankungen.

Der Guss wird mit naturkaltem Wasser ausgeführt. Am besten verwendet man dazu einen Schlauch von etwa 3 cm lichter Weite und 1,05-2 Metern Länge, der an die Wasserleitung angeschlossen wird. Der Schlauch soll nicht enger sein, damit der Gießstrahl nicht zu scharf wird; hält man den Schlauch senkrecht nach oben, so soll der Strahl etwa handbreit übersprudeln, dann hat er die richtige Stärke. Als Behelf kann auch eine Gießkanne verwendet werden.

Beim Knieguß wird der drucklose Strahl langsam und ruhig in einem Abstand von höchstens 10 cm von der Haut, am Außenrand des Fußes beginnend, über den Unterschenkel bis oberhalb des Knies geführt; der Schlauch wird dabei mit der Mündung nach unten so gehalten, dass der begossene Körperteil mantelförmig umspült wird.

Wird der Guss weiter über die Oberschenkel zur Hüfte geführt, so spricht man vom Schenkelguss. Er wirkt intensiver als der Knieguss.

Für den Armguss gelten dieselben Regeln wie für den Knie- und Schenkelguss; er reicht von den Händen über die Arme bis zur Schulter. Außer bei rheumatischen Erkrankungen der oberen Körperhälfte eignet er sich besonders bei gleichzeitigen Herzstörungen. Er hat zudem eine hervorragende kreislaufregulierende Wirkung.

Selbstverständlich müssen die Glieder vor dem kalten Guss warm sein. Es darf keine Kaltanwendung auf einen kalten Körper oder kalte Gliedmaßen stattfinden. Falls der Patient sich nicht warm genug fühlt oder kalte Füße hat, müssen die Unterschenkel mit 40 °C heißem Wasser in einer Unterschenkelbadewanne vorgewärmt werden.

Die Dauer des Gusses richtet sich nach der Empfindlichkeit und Reaktionsfähigkeit des Kranken; im Mittel beträgt sie etwa 1 Minute. Nach dem Guss werden die begossenen Gliedmaßen nicht abgetrocknet; die Wassertropfen werden mit den Händen abgestreift. Nur Füße und Hände trocknet man ab.

Die richtige Reaktion ist an einer sanften, aber deutlichen Rötung der Haut zu erkennen. Subjektiv macht sich die bessere Durchblutung in einem angenehmen Wärmegefühl bemerkbar. Der anschließende Aufenthalt in einem warmen Raum sowie warme Bekleidung der begossenen Körperteile, vor allem der Füße, der Aufenthalt im warmen Bett oder ein strammer Spaziergang sorgen für eine gute und anhaltende Wiedererwärmung.

Um die Durchblutung zu fördern, sollte der Gelenkkranke täglich eine kurze kalte Anwendung durchführen. Dies sollte eine tägliche Gewohnheit werden, wie das Waschen oder Zähneputzen, und es für immer bleiben.

Vorurteile gegen Kneippsche Maßnahmen

Leider versäumen gerade die Rheumakranken die hilfreichsten Wassermaßnahmen, nämlich den Kneippschen Guß, die kalte Ganzwaschung und das kalte 30-Sekunden-Armbad. Die falsche Vorstellung, ein Rheumatiker dürfe nur warm behandelt werden, sitzt so fest in den Gehirnen der Menschen, dass es nur schwer gelingt, das Vorurteil zu überwinden. Wer aber die Wirkung der Kneippschen Kaltanwendungen bei rheumatischen Erkrankungen einmal an sich erlebt hat, ist für immer bekehrt.

Die Angst vor dem kalten Wasser bei „Rheuma" hängt damit zusammen, dass tatsächlich die meisten Rheumakranken auf Kälteeinwirkung, bei der ihnen Wärme entzogen wird, eine deutliche Verschlimmerung ihrer Beschwerden verspüren. Wer Abkühlung durch Luftzug, durch Sitzen in kalten Räumen, durch zu lange kalte Bäder, durch beim Schwitzen entstehende Verdunstungskälte, durch nasse Füße oder sonstige Durchnässung mit Maßnahmen der Kneippschen Behandlung gleichsetzt, hat noch nie eine richtig ausgeführte Kneippsche Anwendung mitgemacht.

Heutzutage ist das ganze Gesundheitsgebiet mit Vorurteilen und Fehlvorstellungen so stark durchsetzt, dass die Aufklärung über gesunde Lebensführung beträchtlich erschwert ist.

Rheuma kommt nicht vom Wetter

Viele Rheumakranke glauben, dass ihr Rheuma von der Kälte oder vom Wetter komme, sie halten also das Wetter für die Ursache ihrer Beschwerden. In Wirklichkeit sind sie aber nur deshalb wetterempfindlich, weil sie Rheuma haben; die Wetterempfindlichkeit ist somit bereits ein von vielen Rheuma Symptomen. Das Wetter ist also nicht die Ursache, sondern am Wetter merkt der Mensch, dass er krank ist.

3. Bäder

An Bädern kommen hauptsächlich Moor-, Schwefel-, Thermal- und Heublumenbäder in Frage. Die Verordnung muss vom Arzt erfolgen. Die "Wahl des Bades richtet sich nach der Art der Erkrankung, ihrem Stadium und dem jeweiligen Zustand des Kranken.

Schwefelbäder kommen zum Beispiel in entzündlichen Phasen nicht in Betracht, da sie stärkere Reaktionen auslösen können. Demgegenüber haben die Heublumenbäder den Vorteil, dass sie bei allen rheumatischen Erkrankungen in jeder Phase (außer bei Fieberzuständen) anwendbar sind.

Besonders wirksam und empfehlenswert sind Uberwärmungsbäder, bei denen mittels des heißen Wassers ein Anstieg der Körpertemperatur auf etwa 40° erstrebt wird. Dass der Heileffekt des Fiebers von altersher bekannt ist, ergibt sich aus dem Spruch von Parmenides „Man gebe mir die Möglichkeit, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit."

Die eingreifende Behandlung mit Uberwärmungsbädern muss bei Gelenkrheumatismus dem Krankenhaus vorbehalten bleiben, da sie sowohl in der Anwendungstechnik als auch in der Anzeigenstellung Erfahrung voraussetzt. In geeigneten Fällen sind mit dieser intensiven Behandlung bemerkenswerte Erfolge erzielbar.

Die Sauna ist die einfachste und bewährteste Schwitzmaßnahme. Sie ist besonders bei den Stoffwechselstörungen der Arthrosen und bei den alltäglichen witterungs- und kälteabhängigen rheumatischen Beschwerden geeignet. Bei den entzündlichen Erkrankungen ist sie nur bedingt empfehlenswert, zum Beispiel nicht während fieberhaften und sogenannten exsudativen Phasen, d. h. nicht während eines entzündlichen Schubes mit Neigung zur Schwellung der Gewebe in Gelenknähe.

Nach dem Abklingen akuter Reizerscheinungen und in Perioden, in denen die Blutsenkung eine Neigung zur Besserung zeigt, ferner wenn eine Tendenz zum Stillstand des Prozesses zu erkennen ist, kann in gewissen Fällen die Sauna als Langzeitmaßnahme über Jahre (einmal wöchentlich) eine hervorragende Unterstützung der übrigen Behandlungsmaßnahmen sein. Die Verordnung muss von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt getroffen werden.

Eine besondere Indikation für Sauna ist die krankhafte Neigung zum Schwitzen. Durch das künstliche Schwitzen in der Sauna hört in vielen Fällen das krankhafte Schwitzen nach einiger Zeit auf.

Die Sauna wirkt nicht nur durch das Schwitzen, sondern auch durch die Anregung der Durchblutung und die Förderung von Stoffwechselvorgängen. Ein Erfolg ist nur durch regelmäßige Anwendung über lange Zeiträume zu erwarten.

4. Die Segmentbehandlung

So wie die inneren Organe durch Maßnahmen im Segment (Neuraitherapie) beeinflusst werden können, ist dies auch für die Gelenke und Glieder möglich. Die Segmentbehandlung kann durch Einspritzungen in bestimmte Stellen der Haut, in Sehnenansätze und Nervendurchtrittsstellen durch Bindegewebsplatten, aber auch an zentralere Nervenknotenpunkte (vegetative Ganglien) erfolgen. Dafür stehen verschiedenartige Medikamente zur Verfügung.

Chiropraktische Maßnahmen kommen bei der primär chronischen Polyarthritis nur selten in Frage, eben nur dann, wenn zusätzliche Veränderungen vorliegen, die einen mechanischen Eingriff erfordern.

Auch die Akupunktur stellt eine gezielte Behandlung über bestimmte Hautpunkte dar. Der Erfahrene vermag damit auch bei den Erkrankungen der Bewegungsorgane bemerkenswerte Erfolge zu erzielen. Obwohl der Akupunktur gemäß der chinesischen Philosophie ganz andere Vorstellungen über das Krankheitsgeschehen zugrunde liegen, so sind doch die Wirkungen mit denen der Segmentbehandlung nach westlichen Vorstellungen vergleichbar, zumal beide Methoden manche Behandlungspunkte gemeinsam haben.
In einem gewissen Sinne wirken auch die Massagen, örtliche heiße Packungen und Einreibungen durch Beeinflussung des Segments. Dazu kommt noch die Förderung der örtlichen Durchblutung. Die Massage wirkt außerdem lockernd, löst Verspannungen und arbeitet der drohenden oder bestehenden Versteifung entgegen. Entzündete und schmerzhafte Gelenke werden selbst nie massiert, nur das Gewebe an den Gliedern oberhalb und unterhalb der Gelenke.

Eine Sonderform der Massage ist die Lymphdrainage, die ein Erweitern der Lymphbahnen und damit einen vermehrten Abtransport von Gewebsflüssigkeit anstrebt. Sie ist gerade bei der primär chronischen Gelenkentzündung, die immer mit Schwellungen im Bindegewebe einhergeht, angezeigt und erfolgreich.

Die Bindegewebsmassage beeinflusst über die reflektorischen Zonen im Bindegewebe die Funktionen nicht nur der inneren Organe, sondern vermag über dieselben Wege auch auf die Durchblutung und Muskulatur einzuwirken. Im Prinzip ist sie ebenfalls eine spezifische Segmentbehandlung.

5. Örtliche Maßnahmen

Eine gute Unterstützung bedeuten die örtlichen Maßnahmen. Die wichtigsten, soweit nicht unter 4 bereits genannt, sind feuchtheiße Packungen, Auflagen und Wickel, Teilbäder mit und ohne Zusätze, Einreibemittel verschiedenster Art sowie gezielte Gymnastik.

Der unersetzliche Heublumensack

Von den örtlichen Heißauflagen möchte ich den Heublumensack am meisten empfehlen. Er hat nicht nur eine hervorragende schmerzlindernde, durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung, sondern ist auch in der Zubereitung einfach und in der Anwendung sauber.

Heublumen sind bei Bauern und in Reformhäusern erhältlich. Sie werden in einen Leinensack von etwa 40 X 30 cm eingefüllt; dann wird der Sack zugenäht. Zur Anwendung wird er in strömendem Dampf erhitzt. Dazu wird er in einen großen Kochtopf gesteckt, der zu einem Drittel mit Wasser gefüllt wird; unten wird ein Sieb eingelegt, damit der Sack nicht direkt im Wasser liegt. Dann wird das Wasser zum Kochen gebracht, so dass die Dämpfe in den Sack einströmen. Der feuchtheiße, mit Dampf durchzogene Sack wird so heiß, wie er vertragen werden kann, um das Gelenk gelegt, mit Tüchern gut umwickelt und abgedeckt, damit er möglichst lange heiß hält. Bei richtiger Zubereitung und Anwendung bleibt er etwa drei Viertelstunden warm und kann so lange liegenbleiben. Die Auflage kann täglich zwei- bis dreimal gemacht werden. Da die ätherischen Öle allmählich verlustig gehen, ist es gut, die Füllung nach etwa zehnmaliger Benutzung zu erneuern.

Akute Schübe

Akute Schübe erfordern je nach Schwere vorübergehend Nebennierenrindenhormone, entzündungshemmende, antirheumatische lindernde Medikamente. Dadurch können entzündliche Schübe erheblich abgekürzt und der Gesamtverlauf günstig beeinflusst werden.

Bei stärker erhöhter Temperatur sind heiße Bäder nicht angezeigt; sie würden den Zustand verschlimmern. Auch bei stark erhöhter Blutsenkung sind heiße Bäder, Moorbäder, Sauna, Schwitzen und andere heiße Maßnahmen zumeist ungünstig. Erst wenn der Zustand sich lange Zeit gleichmäßig gut gehalten hat, können solche Maßnahmen vorsichtig begonnen werden. Die weiteren Verordnungen sind von der Reaktion und dem Verlauf abhängig. Aber sowohl in Phasen der Verschlimmerung wie in guten Perioden ist der Kneippsche kalte Guss als Knieguss, Schenkelguss, Armguss, Oberguss bis zum Rückenguss die Methode der Wahl.

Andere Formen der Gelenkentzündung

Nun gibt es zum Glück auch gutartigere Formen der Gelenkentzündung. Auch bei dieser Krankheitsform können ein oder mehrere Gelenke gleichzeitig oder nacheinander betroffen sein.

Der Verlauf unterscheidet sich von den schleichend beginnenden Formen der primär chronischen Gelenkentzündung dadurch, dass der Beginn akuter ist. Es treten plötzlich Schmerzen, Schwellungen und Bewegungsbehinderungen an einem oder mehreren Gelenken auf, die bei sofortiger Behandlung oft ebenso rasch wieder abklingen können. Aber auch diese Formen neigen zu Rückfällen und akuten Schüben, die manchmal durch Überanstrengung, Durchnässung oder Kälteeinwirkung ausgelöst werden. Besonders häufig sind die Schulter- und Kniegelenke befallen, aber auch die Hand-, Finger-, Fuß- und Zehengelenke. Bei allen Arthritisformen ist aber nicht nur das Innere des Gelenks erkrankt, sondern meist in viel stärkerem Maße das umgebende Gewebe, das heißt, die Gelenkkapsel, die Muskeln und Sehnen in der Nähe des Gelenks und besonders deren Ansätze sowie das umgebende Bindegewebe. Meist handelt es sich mehr um eine Periarthritis, das heißt um eine Entzündung des Gewebes um das Gelenk.

So gibt es viele Formen, bei denen sich die Veränderung vorwiegend in diesen Gewebsteilen und überhaupt nicht in den Gelenken abspielt ; man nennt sie Fibrositis, wenn entzündliche Vorgänge im Vordergrund stehen, und Fibropathie, wenn mehr stoffwechselbedingte Störungen vorliegen. Die Fibrositis kann einzelne Glieder, aber auch den gesamten Körper befallen. Da sie sehr schmerzhaft ist, wird sie oft fälschlicherweise als Nervenentzündung bezeichnet.

Die zunehmende Häufigkeit dieser Rheumaformen in den letzten Jahrzehnten spricht dafür, dass zivilisatorische Einflüsse eine Rolle spielen. Und tatsächlich sprechen diese Formen ganz hervorragend auf die Ernährungsbehandlung, am besten auf reine Frischkost, an.

Die häufige Kombination von entzündlichen Veränderungen im Gelenkbereich und im Bindegewebe mit Arthrosis wurde schon erwähnt. Was die Zusammenhänge mit der Nahrung, mit anderen ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten, mit Herden an Zähnen und anderen Organen betrifft, so gilt für diese Erkrankungsformen grundsätzlich dasselbe wie für die primär chronische Polyarthritis, nur sprechen sie wesentlich besser auf die Behandlungsmaßnahmen an, die bei allen Formen dieselben sind. Ist die Erkrankung auf einzelne Gelenke oder Körperteile beschränkt, so sind hier natürlich die erwähnten örtlichen Maßnahmen besonders angezeigt. Bewegungsbehinderungen, die nach Abklingen der akuten schmerzhaften Erscheinungen zurückgeblieben sind, bedürfen der Behandlung mit Massage und heilgymnastischen Übungen.

Bei allen Krankheiten dieser Gruppe sind die Erfolgsaussichten stark davon abhängig, wie lange die Erkrankung schon bestand, ehe sie nach biologischen Prinzipien behandelt wird.

Richtige Antworten für Test: 1b, 2c, 3c, 4a, 5b.


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